{"id":8510,"date":"2020-06-20T02:08:53","date_gmt":"2020-06-20T07:08:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ask-a-muslim.com\/?p=8510"},"modified":"2020-07-08T06:36:26","modified_gmt":"2020-07-08T11:36:26","slug":"hagg-die-reise-des-lebens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ask-a-muslim.com\/de\/hagg-die-reise-des-lebens\/","title":{"rendered":"Ha\u011f\u011f \u2013 Die Reise des Lebens"},"content":{"rendered":"<h3>(teil 1 von 2): Der Tag von Arafah und seine Vorbereitung<\/h3>\n<p>Die Ha\u011f\u011f oder Pilgerreise nach Mekka, eine der zentralen Pflichten des Islam, deren Urspr\u00fcnge auf den Propheten Abraham zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, bringt Muslime aller Rassen und Sprachen zusammen \u2013 eines der bewegendsten spirituellen Erlebnisse meines Lebens.<\/p>\n<p>Seit 14 Jahrhunderten haben unz\u00e4hlbare Millionen Muslime, M\u00e4nner und Frauen aus allen vier Himmelsrichtungen, die Pilgerreise nach Mekka gemacht, dem Geburtsort des Islam. Indem sie dieser Verpflichtung nachkommen, erf\u00fcllen sie eine der f\u00fcnf &#8222;S\u00e4ulen&#8220; des Islam, oder der zentralen Pflichten des Gl\u00e4ubigen.<\/p>\n<p>Muslime f\u00fchren die \u00fcberlieferten Urspr\u00fcnge der g\u00f6ttlich angeordneten Pilgerreise auf den Propheten Abraham zur\u00fcck. Gem\u00e4\u00df dem Qur\u00b4an war es Abraham, der zusammen mit Ismael die Kaaba erbaut hat, das &#8222;Haus Gottes&#8220;, die Richtung, in die die Muslime sich f\u00fcnfmal am Tag in ihren Gebeten richten. Es war Abraham, der auch die Rituale f\u00fcr die Ha\u011f\u011f aufgestellt hat, die auf Ereignisse oder Handlungsweisen aus seinem Leben oder dem von Ha\u011f\u011far und ihrem Sohn Ismael zur\u00fcckzuf\u00fchren sind.<\/p>\n<p>In dem Kapitel &#8222;Die Pilgerreise&#8220; spricht der Qur\u00b4an von dem g\u00f6ttlichen Befehl,Ha\u011f\u011f zu machen und prophezeiht ihre Best\u00e4ndigkeit:.<br \/>\n\u201cUnd als Wir f\u00fcr Abraham die St\u00e4tte des Hauses bestimmten, (sprachen Wir): &#8222;Setze Mir nichts zur Seite und halte Mein Haus rein f\u00fcr die (es) Umkreisenden, Betenden und Sich-Niederwerfenden. Und rufe die Menschen zur Pilgerfahrt auf. Sie werden zu Fu\u00df und auf jedem mageren Kamel aus allen fernen Gegenden zu dir kommen.\u201d (Quran 22:26-27)<\/p>\n<p>Unterdessen erhielt der Prophet Muhammad, Gottes Segen und Frieden sei auf ihm, den g\u00f6ttlichen Ruf, denn die Praktiken der G\u00f6tzendiener hatten die urspr\u00fcnglichen Zeremonien der Ha\u011f\u011f verschmutzt. Der Prophet f\u00fchrte, von Gott dazu angeleitet, die Ha\u011f\u011f nach dem Vorbild Abrahams wieder ein, nachdem er ihre Riten in ihrer urspr\u00fcnglichen Reinheit wiederhergestellt hatte.<\/p>\n<p>Muhammad selbst wies die Gl\u00e4ubigen in die Riten der Ha\u011f\u011f ein. Er tat dies auf zweierlei Arten: mit seiner eigenen Art und Weise, wie er die Pilgerreise vollzog oder indem er die Art und Weise seiner Gef\u00e4hrten empfahl. Dies f\u00fcgte den Riten eine gewisse Komplexit\u00e4t hinzu, erh\u00f6hte aber auch deren Flexibilit\u00e4t in der Ausf\u00fchrung, was f\u00fcr die Pilger seit damals von Nutzen ist. Beispielsweise ist es erlaubt, bei der Durchf\u00fchrung mancher Riten eine andere Reihenfolge zu w\u00e4hlen, denn vom Propheten selbst wird \u00fcberliefert, dass er solches empfohlen hatte. Auch wenn die Riten der Ha\u011f\u011f durchdacht, zahlreich und abwechslungsreich sind, wollen wir unten einige beleuchten.<\/p>\n<p>Die Ha\u011f\u011f nach Mekka ist einmal im Leben die Pflicht eines jeden m\u00e4nnlichen oder weiblichen Erwachsenen, dessen Gesundheit und Mittel dies erlauben, oder, mit den Worten des Qur\u00b4an: &#8222;f\u00fcr jene, die den Weg dahin machen k\u00f6nnen.&#8220; Sie ist keine Pflicht f\u00fcr Kinder, obwohl manche Kinder ihre Eltern auf dieser Reise begleiten.<\/p>\n<p>Bevor er sich auf den Weg macht, soll der Pilger alles Unrecht wiedergut-machen, alle Schulden begleichen, genug Geld f\u00fcr sich unterwegs und auch f\u00fcr die Versorgung seiner Familie zu Hause, solange er fort ist, einplanen, und sich selbst auf gutes Benehmen w\u00e4hrend der gesamten Pilgerreise vorbereiten.<\/p>\n<p>Wenn die Pilger die Ha\u011f\u011freise unternehmen, folgen sie den Fu\u00dfstapfen von Millionen vor ihnen. Heutzutage erreichen hundert tausende Gl\u00e4ubige aus \u00fcber 70 L\u00e4ndern Mekka von der Stra\u00dfe, dem Meer oder aus der Luft, sie machen eine Reise, die jetzt um einiges weniger anstrengend ist, als es h\u00e4ufig in der Vergangenheit war.<\/p>\n<p>Bis ins 19. Jahrhundert bedeutete die lange Reise nach Mekka noch, als Teil einer Karavane zu reisen. Es gab drei Hauptkaravanen: die \u00e4gyptische, die in Kairo gebildet wurde; die irakische, die aus Baghdad loszog und die syrische, die nach 1453 in Istambul startete, Pilger auf dem Weg sammelte und \u00fcber Damaskus nach Mekka reiste.<\/p>\n<p>Da die Ha\u011f\u011freise Monate dauerte, wenn alles gut verlief, trugen die Pilger die Versorgung, die sie brauchten mit sich, um sich auf ihrer Reise zu versorgen. Die Karavanen wurden sorgf\u00e4ltig mit Annehmlichkeiten und Sicherheiten ausgestattet, wenn die Reisenden reich waren, aber den Armen ging oft die Versorgung aus, und sie mussten ihre Reise unterbrechen, um zu arbeiten, wieder Geld zu sparen und dann ihre Reise fortzusetzen. Daraus resultierten lange Reisen, die in manchen F\u00e4llen zehn Jahre und mehr dauerten. Reisen in fr\u00fcheren Zeiten war ein Abenteuer. Die Stra\u00dfen waren h\u00e4ufig aufgrund der R\u00e4uberbanden unsicher. Das Land, das die Pilger durchqueren mussten, war auch gef\u00e4hrlich, und sowohl nat\u00fcrliche Gefahren als auch Krankheiten kosteten vielen schon auf dem Weg das Leben. Daher war die erfolgreiche R\u00fcckkehr der Pilger zu ihren Familien ein Anlass f\u00fcr freudige Feiern und Dankbarkeit f\u00fcr ihre sichere Ankunft.<\/p>\n<p>Angelockt von der mystischen Ausstrahlung Mekkas und Medinas haben seit dem 15. Jahrhundert viele Westler diese beiden heiligen St\u00e4dte besucht, zu denen die Pilger streben. Manche von ihnen gaben sich als Muslime aus; andere, die wirklich konvertiert waren, kamen, um ihre Pflicht zu erf\u00fcllen. Aber sie alle scheinen durch ihre Erfahrungen sehr bewegt zu sein, und viele berichteten ihre Eindr\u00fccke von dieser Reise und den Ritualen der Ha\u011f\u011f in faszinierenden Erz\u00e4hlungen. Es existieren viele Ha\u011f\u011f -Reiseberichte in den unterschiedlichsten Sprachen, so wie die Pilger selbst auch.<\/p>\n<p>Die Pilgerreise findet jedes Jahr zwischen dem 8. und 13. Tag des Dhul-Hi\u011f\u011fah statt, dem 12. Monat des muslimischen Mondkalenders. Ihr erster Ritus besteht in dem Anlegen des Ihram.<br \/>\nDer Ihram, den die M\u00e4nner tragen, ist ein wei\u00dfes, saumloses Kleidungsst\u00fcck, das aus zwei Teilen Stoff oder Frottee besteht, eines davon bedeckt den K\u00f6rper von der Taille abw\u00e4rts bis zu den Knien, und das andere wird sich um die Schulter geschlungen. Diese Art der Bekleidung verwendeten Abraham und Muhammad. Frauen kleiden sich so, wie sie es normalerweise tun. Die K\u00f6pfe der M\u00e4nner d\u00fcrfen nicht bedeckt sein; sowohl M\u00e4nner als auch Frauen d\u00fcrfen einen Sonnenschirm benutzen.<\/p>\n<p>Der Ihram ist ein Symbol der Reinheit und der Abwendung von schlechten und weltlichen Angelegenheiten. Er weist auch auf die Gleichheit aller Menschen in den Augen Gottes hin. Wenn der Pilger seine wei\u00dfe Tracht tr\u00e4gt, tritt er oder sie in den Status der Reinheit ein, der Streiten, Gewalt gegen Mensch oder Tier und eheliche Beziehungen verbietet. Wenn er einmal seine Ha\u011f\u011f-Bekleidung angelegt hat, kann sich der Pilger nicht mehr rasieren, seine N\u00e4gel schneiden oder Schmuck tragen, und er wird seine ungen\u00e4hte Kleidung anbehalten, bis er die Pilgerschaft beendet hat.<\/p>\n<p>Ein Pilger, der sich bereits in Mekka aufh\u00e4lt, beginnt seine Ha\u011f\u011f in dem Moment, wo er seinen Ihram anlegt. Manche Pilger, die von weiter herkommen, sind bereits zuvor mit ihrem Ihram in Mekka angekommen und k\u00f6nnten ihn noch immer tragen. Das Anlegen des Ihram wird von der anf\u00e4nglichen Anrufung derHa\u011f\u011f begleitet, der Talbiyah:.<\/p>\n<p>\u201cHier bin ich, o Gott, zu Deinem Befehl. Hier bin ich, zu Deinem Befehl. Du hast keinen Teilhaber; hier bin ich zu Deinem Befehl! Alles Lob und alle Huld und alle Herrschaft sind Dein! Du hast keinen Teilhaber!\u201d<br \/>\nDie donnernden, melodischen Rufe der Talbiyah h\u00f6rt man nicht nur in Mekka, sondern auch in der N\u00e4he der heiligen St\u00e4tten, die mit der Ha\u011f\u011f verbunden sind.<\/p>\n<p>Am ersten Tag der Ha\u011f\u011f schw\u00e4rmen die Pilger von Mekka aus nach Mina, ein kleines unbewohntes Dorf \u00f6stlich der Stadt. W\u00e4hrend sich ihre Massen in Mina verstreuen, verbringen die Pilger im allgemeinen ihre Zeit mit Meditation und Gebeten, wie es der Prophet bei seiner Pilgerreise auch getan hat.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des zweiten Tages, dem 9. Dhul- Hi\u011f\u011fah, verlassen die Pilger Mina um zur Ebene von Arafah zu ziehen, wo sie rasten. Dies ist der zentrale Ritus der Ha\u011f\u011f. Wenn sie sich hier versammeln, erinnert sie die Versammlung der Pilger und das Stehen an den Tag des Gerichts. Einige von ihnen sammeln sich auf dem Berg der Gnade, wo der Prophet seine unvergessliche Abschiedsrede gehalten hat, in der er weitreichende religi\u00f6se, wirtschaftliche, soziale und politische Reformen verk\u00fcndet hat. Dies sind emotional geladene Stunden, welche die Pilger im Gottesdienst und mit Bittgebeten verbringen. Viele bitten Gott unter Tr\u00e4nen um Vergebung. An dieser heiligen Stelle erreichen sie den Gipfel ihrer religi\u00f6sen Leben, denn sie f\u00fchlen die Anwesenheit und N\u00e4he eines gnadenvollen Gottes.<\/p>\n<p>Die erste Engl\u00e4nderin, die Ha\u011f\u011f verrichtete, Lady Evelyn Cobbold, beschrieb 1934 die Gef\u00fchle der Pilger am Berg Arafah.<br \/>\n\u201cEs w\u00fcrde einen Meisterstift brauchen, um die Szene zu beschreiben, ergreifend in ihrer Intensit\u00e4t, dieses gro\u00dfe Zusammentreffen der Menscheit, von der ich eine kleine Einheit bilde, vollkommen verlassen in dieser Umgebung, in der feurigen Hingabe von religi\u00f6sem Enthusiasmus. Viele der Pilger rannen Tr\u00e4nen aus den Augen, andere erhoben ihre Gesichter zum sternenhellen Himmel, in den letzten Jahrhunderten schon so oft Zeuge dieses Dramas geworden ist. Die strahlenden Augen, die leidenschaftlichen Appelle, die bemitleidenswert ausgestreckten H\u00e4nde im Gebet bewegten mich auf eine Weise, wie nichts zuvor und sich f\u00fchlte mich in einer starken Welle spiritueller Verz\u00fcckung. Ich war eins mit dem Rest der Pilger in einem unvergleichlichen Akt der vollst\u00e4ndigen Auslieferung unter den Erhabensten Willen, das ist Islam.\u201d<\/p>\n<p>Sie f\u00e4hrt fort, die N\u00e4he, die die Pilger zum Propheten f\u00fchlen, w\u00e4hrend sie in Arafat stehen, zu beschreiben:.<br \/>\n\u201c&#8230;wie ich neben der Granits\u00e4ule stehe, f\u00fchle ich, dass ich mich auf heiligem Boden befinde. Ich sehe vor meinem inneren Auge den Propheten, wie er vor den weinenden Massen seine Letzte Predigt h\u00e4lt, vor \u00fcber dreizehn Jahrhunderten. Ich stelle mir die vielen Prediger vor, die zu den unz\u00e4hlbaren Millionen, die sich auf dieser Ebene schon versammelt haben, bereits gesprochen haben, denn dies ist der H\u00f6hepunkt der Gro\u00dfen Pilgerreise.\u201d<\/p>\n<p>Vom Propheten wird berichtet, dass er Gott um die Vergebung der S\u00fcnden der Pilger, die sich bei Arafah versammelt haben, gebeten habe \u2013 und dieser Wunsch wurde ihm gew\u00e4hrt. Daher bereiten sich die hoffnungsvollen Pilger darauf vor, diese Ebene freudig zu verlassen, sie f\u00fchlen sich neugeboren, frei von S\u00fcnden, und beabsichtigen, ein neues Blatt aufzuschlagen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>\n(teil 2 von 2): Die Riten von Abraham<\/h3>\n<p>Gerade nach Sonnenuntergang ziehen die Massen der Pilger nach Muzdalifah, eine offene Ebene auf halbem Wege zwischen Arafah und Mina. Dort angekommen, beten sie zuerst, dann sammeln sie eine bestimmte Anzahl kichererbsengro\u00dfer Steinchen, die sie in den kommenden Tagen brauchen werden.<\/p>\n<p>Noch vor Tagesanbruch des dritten Tages bewegt sich die Masse der Pilger von Muzdalifah nach Mina zur\u00fcck. Dort werfen sie mit den Steinchen, die sie zuvor gesammelt haben auf die wei\u00dfen S\u00e4ulen, eine Tradition des Propheten Abrahams. Wenn die Pilger sieben Steinchen auf jede dieser S\u00e4ulen werfen, erinnern sie sich der Geschichte, als Satan versuchte, Abraham zu \u00fcberreden, Gottes Befehl seinen Sohn zu opfern, zu missachten.<\/p>\n<p>Das Werfen der Steine ist ein Symbol f\u00fcr den Versuch des Menschen, Schlechtes und B\u00f6ses abzuwerfen, nicht nur einmal sondern siebenmal \u2013 die Zahl sieben symbolisiert die Unendlichkeit.<br \/>\nNach dem Werfen opfern die meisten Pilger eine Ziege, ein Schaf oder ein anderes Tier. Sie geben das Fleisch den Armen, nachdem sie eine kleine Portion f\u00fcr sich selbst behalten haben.<\/p>\n<p>Dieser Ritus steht in Verbindung mit Abrahams Bereitschaft, im Einklang mit Gottes Wunsch seinen Sohn zu opfern. Es symbolisiert die Bereitwilligkeit des Muslim, das, was ihm teuer ist, zu teilen und es erinnert uns an den Geist des Islam, in dem die Unterwerfung unter den Willen Gottes eine f\u00fchrende Rolle spielt. Diese Tat erinnert den Pilger auch daran, weltliche G\u00fcter mit denen, die nicht so gl\u00fccklich sind, zu teilen und es ist auch eine Dankbarkeit Gott gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Da die Pilger nun den Gro\u00dfteil der Ha\u011f\u011f beendet haben, ist es ihnen jetzt erlaubt, ihren Ihram abzulegen und ihre normale Kleidung anzuziehen. An diesem Tag teilen Muslime auf der ganzen Welt die Freude der Pilger und wie sie opfern sie an diesem Tag und feiern \u00b4Id al-Adha, das \u201cOpferfest\u201d. M\u00e4nner scheren ihre Haare und Frauen schneiden ein kleines St\u00fcck davon ab, um ihre teilweise Entweihung zu symbolisieren. Dies alles sind Symbole der Demut. Alle Verbote, au\u00dfer das der ehelichen Beziehungen, sind nun aufgehoben.<\/p>\n<p>Die Tage verbringen die Pilger noch immer in Mina, aber sie besuchen Mekka, um einen anderen essentiellen Ritus der Ha\u011f\u011f zu vollziehen; den Tawaf, das siebenmalige Umkreisen der Kaaba, bei dem Bittgebete zu sprechen sind. Ihre Umkreisung der Kaaba, das Symbol f\u00fcr die Einheit Gottes, deutet darauf hin, dass Gott im Mittelpunkt einer jeden Aktivit\u00e4t des Menschen stehen muss. Es symbolisiert ebenfalls die Verbindung von Gott und Mensch.<\/p>\n<p>Thomas Abercrombie, zum Islam konvertiert und Schriftsteller und Photograph f\u00fcr das National Geographic Magazine, pilgerte in den 1970ern und beschrieb die Verbundenheit und Harmonie, welche die Pilger bei dem Umkreisen der Kaaba versp\u00fcren:<\/p>\n<p>\u201cSiebenmal umkreisten wir den Schrein und wiederholten die rituellen Gebete auf arabisch: \u00b4Herr Gott, von einem solchen fernen Land bin ich gekommen zu Dir&#8230; Gew\u00e4hre mir Schatten unter Deinem Thron.\u00b4 Gefangen in der wirbelnden Szene, erh\u00f6ht durch die Poesie der Gebete, umkreisten wir Gottes Haus im Einklang mit den Atomen, in Harmonie mit den Planeten.\u201d<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sie ihre Umkreisung vollziehen, k\u00f6nnen die Pilger den Schwarzen Stein k\u00fcssen oder ber\u00fchren. Dieser ovale Stein, im sp\u00e4ten siebten Jahrhundert erst in den Silberrahmen eingelassen, besitzt in den Herzen der Muslime einen besonderen Platz, denn, gem\u00e4\u00df mancher Hadith, ist es der einzige \u00dcberrest der Originalstruktur, die Abraham und Ismael erbaut haben. Aber vielleich ist der einzige, wichtige Grund, den Stein zu k\u00fcssen, dass es der Prophet genauso tat.<\/p>\n<p>Der Stein wird aber auf keinerlei Art und Weise angebetet, denn er ist kein Objekt der Anbetung und ist es auch nie gewesen. Der zweite Khalif, Umar ibn al-Khattab machte dies ganz deutlich, als er den Stein selbst in Anlehnung an den Propheten k\u00fcsste, gab er bekannt:<\/p>\n<p>\u201cIch wei\u00df, dass du nur ein Stein bist, unf\u00e4hig zu nutzen oder zu schaden. H\u00e4tte ich nicht den Gesandten Gottes dich nicht k\u00fcssen gesehen, w\u00fcrde ich dich nicht k\u00fcssen.\u201d<br \/>\nNachdem sie den Tawaf beendet haben, beten die Pilger m\u00f6glichst am Platz von Abraham, das ist die Stelle, an der Abraham gestanden hat, als er die Kaabah gebaut hat. Dann trinken sie Wasser von Zamzam.<br \/>\nEin anderer und manchmal abschlie\u00dfender Ritus ist sa\u00b4i oder \u201cAnstrengung\u201d. Dies ist eine Wiederbelebung einer erinnerungsw\u00fcrdigen Episode aus dem Leben Hagars, die mit ihrem Sohn Ismeal in das \u201cunkultivierbare Tal\u201d von Mekka, wie der Quran es nennt, gebracht worden war, um dort zu leben.<\/p>\n<p>Der Sa\u00b4i erinnert uns an Hagars verzweifelten Suche nach Wasser, um Ismaels Durst zu stillen. Sie rannte siebenmal zwischen den H\u00fcgeln as-Safa und al-Marwahhin und her, bis sie die heilige Wasserquelle fand, die Zamzam genannt wird. Dieses Wasser, das auf wundersame Weise unterhalb von Ismaels kleinen F\u00fc\u00dfen entsprang, ist dieselbe Quelle aus der noch heute die Pilger trinken.<\/p>\n<p>Wenn diese Riten erf\u00fcllt sind, ist der Weihezustand der Pilger vollst\u00e4ndig aufgehoben: sie k\u00f6nnen alle normalen Aktivit\u00e4ten wieder aufnehmen. Jetzt kehren sie nach Mina zur\u00fcck, wo sie bis zum 12. oder 13. Dhul-Hi\u011f\u011fah bleiben. Dort werfen sie ihre \u00fcbrigen Steinchen auf jede der S\u00e4ulen, auf die Art und Weise wie es der Prophet getan hat. Dann verlassen sie ihre Freunde, die sie w\u00e4hrend derHa\u011f\u011f gefunden haben. Bevor sie Mekka ganz verlassen, machen die Pilger noche einen letzten Tawaf um die Kaaba, um sich von der heiligen Stadt zu verabschieden.<\/p>\n<p>Normalerweise verbinden die Pilger Ha\u011f\u011f, die gr\u00f6\u00dfere Pilgerfahrt, mit derUmrah, der kleineren Pilgerfahrt, der durch den Qur\u00b4an ihre Grenzen bestimmt sind und die der Prophet ebenfalls durchf\u00fchrte. Anders als die Ha\u011f\u011f, findet dieUmrah nur in Mekka selbst statt und kann jederzeit im ganzen Jahr verrichtet werden. Der Ihram, Talbiyah und die Einschr\u00e4nkungen die durch den Weihezustand bedingt sind, gelten bei der Umrah gleicherma\u00dfen, die auch drei Rituale der Ha\u011f\u011fteilt: den Tawaf, Sa\u00b4i und das Scheren bzw. Schneiden der Haare. Der rituelle Brauch der Umrah, den Pilger wie Besucher einhalten, steht f\u00fcr die besondere Verehrung der einzigartigen Heiligkeit Mekkas.<\/p>\n<p>Bevor oder nachdem sie in Mekka waren, nutzen die Pilger bei Ha\u011f\u011foder Umrah gegebenenfalls auch die Gelegenheit, die Moschee des Propheten in Medinah zu besuchen, die zweitheiligste Stadt im Islam. Hier liegt der Prophet in einem einfachen Grab begraben. Der Besuch in Medinah ist keine Pflicht, denn es stellt keinen Teil der Ha\u011f\u011f oderUmrah dar, aber die Stadt \u2013 die Muhammad willkommen hie\u00df, als er aus Mekka auswanderte \u2013 ist reich an bewegenden Erinnerungen und historischen Pl\u00e4tzen, welche die Erinnerung an ihn als Propheten und Staatsf\u00fchrer wachrufen.<\/p>\n<p>In dieser Stadt, die die Muslime seit Jahrhunderten lieben, kann man noch immer die Auswirkungen des Leben des Propheten sp\u00fcren. Muhammad Asad, ein \u00f6sterreichischer Jude, der 1926 zum Islam konvertiert ist, und f\u00fcnf Pilgerreisen zwischen 1927 und 1932 unternahm, beschreibtt die Anziehungskraft dieser Stadt:<\/p>\n<p>\u201cSelbst nach dreizehn Jahrhunderten ist die spirituelle Gegenwart [des Propheten] hier lebendig wie damals. Nur durch ihn wurde aus der verstreuten Gruppe von D\u00f6rfern, die einst Yathrib genannt wurde, eine Stadt, und sie wurde den Muslimen bis zum heutigen Tage so lieb, wie keine andere Stadt irgendwo sonst auf der Welt je geliebt wurde. Sie hat noch nicht einmal einen eigenen Namen: seit \u00fcber dreizehn hundert Jahren wird sie Madinat an-Nabi, \u201cdie Stadt des Propheten\u201d genannt. \u00dcber dreizehnhundert Jahre ist hier so viel Liebe zusammengeflossen, dass alle Formen und Bewegungen eine gewisse Familien\u00e4hnlichkeit aufweisen und jegliche abweichenden Erscheinungen finden einen tonalen \u00dcbergang in eine allgegenw\u00e4rtige Harmonie.\u201d<\/p>\n<p>Wenn die Pilger unterschiedlicher Rassen und Sprachen nach Hause zur\u00fcckkehren, tragen sie die hingebungsvollen Erinnerungen an Abraham, Ismael, Hagar und Muhammad mit sich. Sie werden sich immer an das Zusammentreffen mit Menschen aus aller Welt erinnern, wo arme und reiche, schwarze und wei\u00dfe, junge und alte sich auf einer gleichen Ebene getroffen haben.<\/p>\n<p>Sie kehren mit einem Gef\u00fchl der Ehrfurcht und Gelassenheit zur\u00fcck: Ehrfurcht aufgrund ihrer Erfahrungen bei Arafat, als sie sich Gott am n\u00e4chsten gef\u00fchlt haben, wo sie auf der Seite standen, an welcher der Prophet auf seiner ersten und einzigen Pilgerreise seine Abschiedspredigt gehalten hatte; und Gelassenheit, weil sie auf dieser Ebene ihre S\u00fcnden abgeworfen haben und nun von deren schwerer Last befreit sind. Sie kehren ebenfalls mit einem gr\u00f6\u00dferen Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse ihrer Br\u00fcder im Islam zur\u00fcck. Dies ist entstanden aus dem Geist f\u00fcr andere zu sorgen und dem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr ihr eigenes reiches Erbe, das ihre Leben lang andauern wird.<\/p>\n<p>Die Pilger kommen strahlend mit Hoffnung und Freude zur\u00fcck, denn sie haben Gottes uraltes Gebot an die Menschheit erf\u00fcllt. Vor allem kommen sie mit einem Gebet auf den Lippen zur\u00fcck: \u201cBitte, Gott\u201d, beten sie, \u201cakzeptiere unsere Ha\u011f\u011f von uns\u201d, und m\u00f6ge das, was der Prophet sagte, f\u00fcr ihre eigene Reise auch zutreffen:<br \/>\n\u201cEs gibt keine Belohnung f\u00fcr die fromme Pilgerreise als das Paradies.\u201d (Al-Tirmidhi)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>Source: https:\/\/www.islamland.com\/deu\/articles\/ha&#8211;die-reise-des-lebens<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(teil 1 von 2): Der Tag von Arafah und seine Vorbereitung Die Ha\u011f\u011f oder Pilgerreise nach Mekka, eine der zentralen Pflichten des Islam, deren Urspr\u00fcnge auf den Propheten Abraham zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, bringt Muslime aller Rassen und Sprachen zusammen \u2013 eines der bewegendsten spirituellen Erlebnisse meines Lebens. 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